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Erziehung zur Unachtsamkeit als Schlüssel zur Individualität für eine bewusstere Gesellschaft

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von Autor

Als ich Anfang März dieses Jahres von Dr. Annette Pitzer eine Einladung erhalten habe, im Rahmen ihrer Blogparade zu schreiben, freute ich mich sehr. Sie findet unter dem großen Thema „Das Glücksrad der Achtsamkeit“ statt. Ehrlicherweise habe ich sehr lange gebraucht, um in das Thema hineinzukommen. In meiner Arbeit liegt kein bewusster Fokus auf Achtsamkeit und noch weniger ist das Wort Teil meines Sprachgebrauchs. Gleichzeitig, und das ist auch der Grund, weshalb ich Annette zusagte, ist Achtsamkeit eines der essentiellsten Dinge überhaupt, die es auf der Reise zu dir selbst gibt. Tja, und für letzteres bin ich wiederum Expertin.

Als ich Anfang März dieses Jahres von Dr. Annette Pitzer eine Einladung erhalten habe, im Rahmen ihrer Blogparade zu schreiben, freute ich mich sehr. Sie findet unter dem großen Thema „Das Glücksrad der Achtsamkeit“ statt. Ehrlicherweise habe ich sehr lange gebraucht, um in das Thema hineinzukommen. In meiner Arbeit liegt kein bewusster Fokus auf Achtsamkeit und noch weniger ist das Wort Teil meines Sprachgebrauchs. Nach meinem Empfinden und meiner Erfahrung nach wird es teilweise inflationär verwendet. Es kommt mir vor wie ein Modewort, von dem es gerade schick ist darüber zu sprechen. Wann immer das bei welchem Thema auch immer der Fall ist, kommt in mir die Frage hoch, wie viel von dem ist echt und wie viel bloße Schnackerei? Gleichzeitig, und das ist auch der Grund, weshalb ich Annette zusagte, ist Achtsamkeit eines der essentiellsten Dinge überhaupt, die es auf der Reise zu dir selbst gibt. Tja, und für letzteres bin ich wiederum Expertin.

Bei meinen Beobachtungen bin ich vor allem zu einem Ergebnis gekommen:

Der Mensch kommt mit maximalster Achtsamkeit auf die Welt, um anschließend zur Unachtsamkeit erzogen zu werden.

Bevor ich erläutere, was ich mit meinem (wenn ich so ins Feld hineinfühle und dabei all die empörten Gesichter sehe und Aufschreie höre) gewagten Impuls meine, möchte ich zunächst definieren, was ich unter dem Begriff Achtsamkeit verstehe.

Achtsamkeit ist ein Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse in Kombination mit der Fähigkeit für diese einzustehen und sie auf gesunde Art und Weise zu kommunizieren. Dann, und erst dann, folgt als weitere logische Konsequenz die Fähigkeit der Beobachtungsgabe Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und, sofern es erforderlich ist, seinen Anteil zur Erfüllung der Bedürfnisse der anderen beizusteuern.

Ja, ich weiß, niemand anderer, außer du selbst, bist für die Erfüllung deiner Bedürfnisse verantwortlich. Es gibt jedoch ein einziges Bedürfnis, das kannst du dir alleine nicht erfüllen. Das basale Grundbedürfnis nach Berührung. Auch hier ist mir vollkommen bewusst, dass es einen großen Zweig zum Thema Selbstberührung gibt und ja, diese sind bis zu einem gewissen Grad hilfreich. Da wir Menschen jedoch, wie Pferde, soziale Herdentiere sind, brauchen wir zu einem gewissen Grad auch Berührungen von extern. Sprich von anderen Menschen. Ob es die simple Berührung eines Händeschlags als Form der Begrüßung oder eine Umarmung durch einen dir vertrauten Menschen oder die Berührungen zweier Geliebter sind, jede einzelne dieser Formen sind essentiell für die Gesunderhaltung und das Wohlbefinden notwendig. Gerade im Hinblick auf die vergangenen zwei Jahre, in denen uns das Händeschütteln offiziell verboten und andere Kontaktbeschränkungen auferlegt wurden, lechzen die Menschen nach echter Nähe.

Aus meiner Erfahrung heraus, erwächst echte Achtsamkeit aus einem Hinschauen auf sich selbst. Das wiederum ist ganz schön schwierig und bringt mich zum meinem Ausgangsimpuls zurück:

Der Mensch wird zur Unachtsamkeit erzogen. Sprich, du wurdest zur Unachtsamkeit erzogen.

Der Mensch kommt mit maximalster Achtsamkeit auf die Welt, um anschließend zur Unachtsamkeit erzogen zu werden.

Betrachte mal ein Baby. In den ersten Lebensjahren ist es vollkommen eins mit sich und der äußeren Umgebung. Die Fähigkeit unterscheiden zu können, dass du ein Individuum bist, welches sich von der äußeren Welt unterscheidet, ist in erster Linie ein Reifungsprozess. Babys und Kleinkinder sind vollkommen eins mit sich und ihrer äußeren Welt. Tut sich beispielsweise jemand weh, weint das Kleinkind mit, weil der Schmerz des anderen als sein eigener wahrgenommen wird. Erst mit zunehmenden Alter und entsprechender Reifung des Gehirns, entwickelt es die Fähigkeit das ich vom du zu unterscheiden. Im Hinblick auf die Definition Achtsamkeit als Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse kannst du also soweit gehen und sagen, die Bedürfnisse eines Babys sind die gleichen wie die seiner Umwelt.

Ein Baby ist extrem achtsam für das Wahrnehmen und die Äußerung seiner Bedürfnisse. Ob es nun müde, angespannt oder hungrig ist oder eine volle Windel hat, hakt es irgendwo, schreit es. Die erste und einzige, die Kommunikationsform, die ihm möglich ist. Sind seine Bedürfnisse erfüllt, findest du ein zufriedenes Kind vor, das sich in drei Worten zusammenfassen lässt: satt, sauber, schläfrig. Babys sind Seismographen für den Grad an An- oder Entspannung für sich und seine Umgebung.

Wird ein Kind größer, ist es ebenfalls noch sehr aufmerksam und extrem achtsam für sich und seine Bedürfnisse. Will es spielen, spielt es. Will es schlafen, schläft es. Ist es traurig, weint es. Ist es wütend, zeigt es die Wut. Ist es fröhlich, lacht es. Das gesamte Leben eines Kindes findet im unmittelbaren Moment des Hier und Jetzt statt. Bedürfnis da, Bedürfnis erfüllt. Braucht es dazu Hilfe eines Erwachsenen, fordert es diese ein. Ebenso unmittelbar wie alles andere oder anders ausgedrückt, Achtsamkeit pur. Mit wachsendem Alter stoßen Kinder jedoch mehr und mehr an Grenzen. Nicht an ihre eigenen, sondern an die der Eltern und anderer Bezugspersonen.

Der gesunde Weg der Eltern wäre es, bei ihren eigenen Themen hinzuschauen. In allererster Linie sein Kind zu beobachten und durchzufühlen, was das grenzenlose, achtsame Verhalten des eigenen Kindes mit einem selbst macht. Genau an dieser Stelle liegt jedoch der Hund begraben, denn die wenigsten Eltern tun das. Die Generation meiner und deiner Eltern schon gar nicht. Sie haben kein Bewusstsein dafür. Stattdessen beginnt die Erziehung zur Unachtsamkeit, in dem den Kindern beigebracht wird, ihr Verhalten sei egoistisch, rücksichtslos und das das Leben so nicht funktioniert. Das Kind wird in ein Korsett aus Glaubensvorstellungen, Systemregeln und Traumata der Eltern gezwängt. Das Ergebnis sind mehr oder minder angepasste Kinder, die sich so ins gesellschaftliche System integrieren können.

Für dich mag sich das an dieser Stelle krass anhören. Vielleicht hast du auch bloß all die extremen Fälle von häuslicher Gewalt und anderen Kindeswohlgefährdungen im System. Und ja, dort ist es extrem, doch die Erfahrung hat mich eines gelehrt: Wir alle sind traumatisierte Kinder. Jeder von uns hat Einschränkungen in der Erfüllung von Bedürfnissen erfahren und es gibt mindestens einen Punkt, in denen deine Eltern über deine eigene Wahrnehmung gerutscht sind, dir diese abgesprochen und dir stattdessen gesagt haben wie es „richtig“ läuft. Hattest du ein liebevolles und achtsames Elternhaus, war es spätestens das Bildungssystem, welches seine eigenen kollektiven Bedürfnisse über deine individuellen gestellt hat und du auf diese Art nach und nach unachtsam für dein Eigenes wurdest.

Achtsamkeit ist ein Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse in Kombination mit der Fähigkeit für diese einzustehen und sie auf gesunde Art und Weise zu kommunizieren.

Kennst du deine eigenen Befürfnisse?
Weißt du, welche Bedürfnisse du überhaupt hast? Und falls ja, gehst du ihnen nach?
Gibst du dir selbst die Erlaubnis sie zu erfüllen?
Kannst du sie auf gesunde Art kommunizieren oder drückst du sie so lange herunter, bis sie irgendwann aus dir herausplatzen und du damit mehr Streit provozierst, als dass am Ende deine Bedürfnisse wirklich gehört und erfüllt werden können?

All das sind Fragen, mit denen ich mich selbst in den letzten Monaten intensiv beschäftigt habe. Ziemlich frustrierend durfte ich feststellen, dass ich viele meiner Bedürfnisse gar nicht kannte. Ja, ich nicht einmal wusste, ob ich überhaupt welche habe. Ich bin ehrlich, das tat weh. Nahm ich doch an, ich sei ein Mensch, der für sich und seine Dinge, damit einschließend auch meine Bedürfnisse, einsteht. Pustekuchen. Bedingt durch meine Prägung und die extrem christliche Erziehung, die ich als ein in der ehemaligen DDR geborenes Kind „genossen“ habe, bin ich ziemlich perfekt darin gewesen die Bedürfnisse all meiner Mitmenschen um mich herum schon im Aufkeimen zu erspüren und diese, sofern es mir möglich war, zu erfüllen.

Das altruistische Prinzip der Nächstenliebe, zumindest so, wie es durch das Christentum uns über Jahrhunderte hinweg eingebläut wurde, ist der Tod jeglicher Achtsamkeit in dem von mir eingangs genannten und definierten Sinne.

Aus der Erfahrung heraus weiß ich, umgekehrt wird ein Schuh daraus: Erst dann, wenn du dich selbst an erste Stelle setzt, deine Bedürfnisse erkennst und beginnst, sie dir im Rahmen der dir vorhandenen Möglichkeiten zu erfüllen, bist du wahrhaftig bei dir. Dann und erst dann, hast du auch genügend Kraft, die Liebe, die als logische Konsequenz anfängt unaufhörlich zu fließen, an deine Mitmenschen zu verteilen. So befähigst du sie bei sich selbst zu sein oder erstmals bei sich anzukommen und achtsam für sich und ihre eigenen Bedürfnisse zu werden. So erhalten auch sie die Chance, diese zu erkennen und für sich zu entdecken. Das ist im Kern das, was Jesus meinte, als er sagte „dreht euch um und werdet wir die Kinder. So kehrt ihr heim ins Himmelreich.“.

Je tiefer ich in die Thematik eindringe, desto mehr komme ich zu dem Ergebnis, wie einfach meine Bedürfnisse im Grunde doch sind. Ganz einfach ausgedrückt lassen sie sich in einem einzigen Wort zusammen fassen: Liebe.

Ob sich das nun in der Nahrung, die ich zu mir nehme, ausdrückt, wenn mein Körper Hunger meldet. Und glaub mir, mein Körper hat zu komplett anderen Zeiten Hunger, als die gesamte Gesellschaft sagt, wann er Hunger haben darf und ja, achtsam zu sein, bedeutet auch, dass ich dann nachts gegen 23 Uhr nochmals mein Bett verlasse, um mir eine Tasse Milch oder etwas anderes zu holen und es zu verspeisen. Oder am Schlafrhythmus, der sich im Laufe der Jahre als mein ganz eigener eingespielt hat. Oder ob es sich darin ausdrückt, dass ich meinen Kindern sage, wenn ich eine Pause brauche oder meinem Partner, wenn ich ihn sehen möchte. Es spielt keine Rolle. Je achtsamer ich für mich und meine Bedürfnisse werde, desto früher kann ich sie erspüren und entsprechend rechtzeitiger auch auf gesunde Art und Weise kommunizieren.

Einen weiteren tollen Nebeneffekt habe ich dabei beobachten dürfen: Das schlechte Gewissen, welches mein halbes Leben lang mein permanenter Begleiter gewesen ist, hat sich auf ein Minimum reduziert. Falls es sich nochmals melden sollte, was echt super selten vorkommt, dann weiß ich sofort, ich habe eine meiner Grenzen übergangen. Sprich, ich habe eines meiner Bedürfnisse nicht erkannt, es somit überrannt und war nicht bei mir.

Das schlechte Gewissen ist ein Schwellenhüter für die eigenen Grenzen. Falls dir das schlechte Gewissen ebenso vertraut ist wie mir, fange an in die Beobachtung zu gehen: Wann tritt es auf? Über welche deiner Grenzen bist du gerannt? Welches Bedürfnis hast du dir verwehrt?

Ein schöner Nebeneffekt dieser gelebten Form von Achtsamkeit ist der, dass die Mitmenschen um dich herum ebenfalls achtsamer werden. Es wird ruhiger, harmonischer und friedlicher. Jedoch nicht dieser künstliche, aus dem angstgeschwängerten Harmoniezwang erzeugte Frieden, sondern der echte, heilsame. Jener, der ist, sobald die Menschen bei sich selbst sind.

Diesen Frieden wünsche ich dir ebenso. Falls du dabei Unterstützung möchtest, schaue dich auf meiner Website um. Dort findest du alle wichtigen Informationen zu meinen Angeboten.

In Liebe,
deine Jessica

Mit Klick auf den Button wirst  du zu zur Angebotsseite meiner Webseite jessicajosiger.com weitergeleitet. Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beantwortung meiner Anfrage elektronisch erhoben und gespeichert werden.

Du kannst deine Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info.jessica@josiger.de widerrufen.

Jessica Josiger

Ich bin
Eine Frau.
Tochter, Mutter, Freundin.
Eine Liebende, Partnerin, Geliebte.
Licht der neuen Zeit. Geboren aus dem Alten.
Eine von Zweien.
Teil des All-EINen. EIN-SAMen, der zum Licht strebt.
Seelenbegleiterin. Spirituelle Nomadin. Ewige Seele, die vor zeitloser Zeit beschlossen hat, sich in ihrer vollkommenen Schönheit und Ganzheit zu erfahren.
Und, ich bin ein Mensch. Der hinfällt und wieder aufsteht. Der neu laufen lernt. Frei, verantwortungsvoll, mein mir bestimmtes Leben lebend. Der lernt neu zu fühlen. Sich neu zu fühlen. Seine Gaben, Wünsche, Werte.

Mein Name ist Jessica Josiger. Nach menschlichen Etiketten bin ich Diplom Pädagogin, Traumafachberaterin, Schamanin, zertifizierte Onlineberaterin und Offizier. Spirituelle Nomadin ist meine eingetragene Marke. Gebürtig stamme ich aus dem Erzgebirge und lebe mit meinen beiden Kindern in Flensburg. Mir wird nachgesagt, dass ich mit meinen Worten Fragen beantworte. Ich liebe meinen Beruf und bin dankbar ihn in der Weise ausüben zu dürfen.

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6 Gedanken zu „Erziehung zur Unachtsamkeit als Schlüssel zur Individualität für eine bewusstere Gesellschaft“

  1. Liebe Jessica,
    aus meinem Herzen fließt ein uneingeschränktes ja zu Deinem Satz: “Der Mensch wird zur Unachtsamkeit erzogen.” Das ist zwar provokant, trifft aber den Kern. Mir ging es die letzten Monate sehr ähnlich wie Dir. Die schmerzhafte, achtsame Suche nach den eigenen Bedürfnissen trieb mich um. Und genau wie Dir wurde mir klar, dass Altruismus Achtsamkeit tötet. Spannend, wie sich mit der Auseinandersetzung auf einmal Türen in meiner Wahrnehmung geöffnet haben. So schön, dass Du mit diesem großartigen Artikel an der Blogparade teilnimmst!
    Alles Liebe
    Annette

    1. Liebe Annette,
      vielen Dank für deine wertvollen Zeilen. Für mich ist der Satz tatsächlich null provokant, sondern schlicht die Wahrheit von dem was ist. Ich verstehe jedoch gut, was du meinst. Vor wenigen Jahren noch, hatte ich deutlich Muffensausen, wenn ich Texte mit Aussagen veröffentlicht habe, die als provokant wahrgenommen werden können.
      Mir scheint, wir beiden sind nicht die einzigen, die in den vergangenen Monaten durch ähnliche Prozesse gegangen sind. Nach dem, was ich beobachte ist es ein Phänomen der Zeit und ich bin dankbar um jeden, der bereit ist dort hindurchzugehen.
      Danke, dass ich dabei sein durfte.
      Alles Liebe auch für dich,
      Jessica

  2. “Der Mensch wird zur Unachtsamkeit erzogen.” Dieser Satz ist bei wir wirklich haften geblieben. Hat mich so etwas getriggert, weil Achtsamkeit für mich ein großes Thema ist. Und eigentlich auch in meiner Kindheit ein großes Thema war. Bis halt die Erziehung irgendwann anschlug. Auch wenn ich den Begriff “Achtsamkeit” gar nicht kannte, so war ich als introvertiertes Kind ständig dabei, in mich hineinzulauschen. Das war aber nicht wirklich das, was meine ehrgeizigen Eltern im Sinn hatten. Also muss ich mich heute immer wieder daran zu erinnern, im Hier und Jetzt zu leben und auch mal den Kopf auszuschalten. Danke für den schönen Artikel.

    1. Danke für deine Zeilen, liebe Heike. Raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Das wohl wichtigste, was wir tun können. So geschieht Heilung. Das Schöne an der aktuellen Zeit ist, wie ich finde, keiner muss etwas mehr müssen, denn alles darf und nichts muss.
      Freut mich, dass dich mein Artikel berührt hat. Ich wünsche dir viel Freude am Erinnern und alles Gute für dich!

  3. Danke für diesen wertvollen Artikel, der gerade so einiges mit mir macht. Denn beim Lesen ging mir eine Begebenheit der letzten Tage durch den Kopf. Getriggert durch die Äusserung einer mir ziemlich fremden Person, welche mir (Mitte 30) einbläute: “So spricht man nicht mit seinem Chef”. Durch diesen saloppen Satz blitzte ein Kindheitstrauma in mir auf. (An dieser Stelle die Frage “Hört das mal wieder auf mit dem Erinnern…? :-))

    Unachtsamkeit passte beim Lesen direkt zu diesem Verhalten und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, finde ich diese Ansage immer noch jenseits von Achtsamkeit. Der Kritikpunkt ging gegen meine Natur, ausgelöst durch meine Worte in einem liebevollen Geplänkel mit einem meiner langjährigsten Freunde. Klar, ich bin heute kein Kind mehr, sondern Unternehmerin, habe also gar keinen Chef. Somit verbirgt sich hinter dieser Übergriffigkeit zusätzlich zwar eine Eigeninterpretation, ich tauche jedoch nicht mehr so tief unter wie damals. Dennoch macht es mit mir viel, besonders weil ich gerade zurück in mein Herkunftsland zog, von welchem ich aus ähnlich gelagerten Gründen lange Jahre “auf der Flucht” war: Den Einflüssen von aussen, die meinen innersten Kern überlagern und mich zu einem Menschen zu formen versuchen, der mit meiner tiefsten Wahrheit nur wenig zu tun hat. Gut habe ich die letzten Jahre immer mal wieder mit dir an meiner Wieder-Geburt gearbeitet und diese im Retreat zum letzten Frühlingsgeburt vollzogen. Die Furcht, wieder in alte Verhaltens-Muster zurückzufallen ist nun durch diesen Test vom Tisch und ich bin froh über die Entscheidung mit dir zu arbeiten.

    Vielen Dank für dein Sein und Wirken, besonders dass du dich mit Artikeln wie diesem in deiner vollen Essenz zeigst und keine Masken vorhältst, die etwas zeigen sollen, was dir nicht entspricht.

    1. Liebste Sabrina,
      ich danke dir von Herzen für deine wertvollen Zeilen. Dabei kommt mir wieder unsere beliebte Frage hoch: Wer ist eigentlich man? Oder wie ich immer zu sagen pflege, “zum Glück bin ich kein Mann” *lach* Und nö, das Erinnern hört nicht auf. Das Vergessen jedoch genauso wenig. Nach dem Erinnern folgt das Vergessen oder das Vergessene bleibt vergessen. Beides ist gut, denn es zeigt, es ist vollendet!

      Dein eindrückliches Beispiel zeigt deutlich, dass wir Menschen noch viel in Punkto Achtsamkeit lernen dürfen! Ebenso freut mich, dass deine Furcht, du könntest in alte Verhaltensmuster zurückfallen vom Tisch ist. Denn das passiert einfach nicht. Durch deine Entscheidung mit mir zu arbeiten und durch unsere Arbeit. Weil du weißt doch, das ist schlicht unlogisch. Die logische Konsequenz sind neue wertvolle Erfahrung jenseits von Prägung und Erfahrung. Quasi logisches Hexenwerk. 😉

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